Schlangen

Viele fürchten sich vor den beinlosen Tieren, andere sind fasziniert von ihnen. Vielleicht helfen Ihnen folgende Informationen etwas, Ihre Angst und Vorurteile abzubauen oder Ihr Interesse zu wecken. Wie alle waffentragenden Lebewesen sollten sie mit Respekt und Vorsicht behandelt werden.

Wer mehr über Schlangen wissen möchte, kann sich mit entsprechender Fachliteratur, Besuchen bei professionell geführten Schlangenfarmen, z. B. Bioken Schlangenfarm in Watamu oder durch die Teilnahme an organsierten, auf Schlangensuche ausgerichteten Safaris, weiterbilden. In der Schweiz kann von Marc Jäger viel gelernt werden http://www.giftschlangen.ch
Weitere Informationen sind auch über uns erhältlich.

Der früheste fossile Schlangenfund aus Spanien ist 135 Millionen Jahre alt. Sie haben sich aus Echsen entwickelt und um der besseren Fortbewegung für ihre Lebensweise wegen die Beine rückgebildet. Somit sind sie die jüngsten der Reptilien. Sie kommen mit Ausnahme von der Antarktis, einigen Ozeanischen Inseln und grossen Höhen überall vor. Sie haben sich über die Jahrmillionen auf ihre Biotope spezialisiert.

Schlangen werden in einigen Religionen und Kulturen als das Falsche und Verführerische dargestellt, im Alten Aegypten hingegen wurden sie als Gottheit verehrt.
Derzeit sind weltweit 2900 Schlangenarten beschrieben. Aufgrund neuer Forschungen und DNA-Vergleichen werden weitere dazukommen. Ungefähr 198 Arten aus 18 Familien kommen in Ostafrika vor, davon sind 45 giftig und 18 Arten haben Todesfälle verursacht. Leider führen auch harmlose Schlangenbisse aufgrund falscher Behandlung manchmal zum Tode. Die Bio Ken Schlangenfarm in Watamu arbeitet stark an der Aufklärung der Ärzte und der Bevölkerung und stellt Gegengift zur Verfügung.

Fragen Sie nach dem Nutzen der Schlangen, so führt die Antwort zu den Ratten, die für viele Schlangen Nahrung sind. Ratten sind in Mais- und Kornfeldern Nahrungskonkurrenten des Menschen und bekannte Überträger von verschiedenen Krankheitserregern (z. B. Pest). Schlangen halten die Rattenpopulation unter Kontrolle, die bei deren Fehlen ganze Maisernten zu Nichte machen können.

Schlangen töten ihre Beute entweder durch erwürgen oder durch Gift, das mittels Zähnen vorne oder hinten im Maul injiziert wird. Das Gift hilft die Beute vorzuverdauen. Auswirkung und Wirksamkeit hängt von der Art deren Giftzusammensetzung, letztem Beutefang, Bissstelle und Giftmenge ab.

Wenn Sie auf Safari nicht gezielt nach Schlangen suchen, ist es selten auf eine zu treffen. Sie fürchten sich vor Menschen und halten sich oft in Verstecken auf. Trifft man auf eine Schlange, so werden sie wenn immer möglich das Weite suchen. Hören Sie auf die Stimmen der Tiere. Affen, Vögel und Hörnchen warnen vor Schlangen oder die Schlange selbst warnt. Fassen Sie nicht unter Steine oder Holz, halten Sie Ihr Zelt gut geschlossen. Die Wahrscheinlichkeit von einer Giftschlange gebissen zu werden, ist geringer als vom Blitz erschlagen zu werden (Zitat aus "The Amphibiens and Reptiles of Botswana"). Wir Menschen gehören nicht zum Beutespektrum der Schlangen und sie beissen nur zu, wenn sie keinen anderen Ausweg haben.

Schlangen zu identifizieren ist vor allem im Busch nicht einfach; gleichen doch etliche ungiftige Arten ihren giftigen Verwandten. Deshalb ist Vorsicht geboten, denn fatale Fehler sind schon Experten unterlaufen. Einige Arten, die in Ostafrika vorkommen, sollen hier vorgestellt werden.

 

 

 

Pythons und Boas sind Würgeschlangen. Die beiden Felsenpythonarten Python natalensis und Python sebae können dem Menschen oder deren Tieren gefährlich werden. Python sebae kann bis 7.5 m lang werden. 

Sandboas (Eryx colubrinus) werden durchschnittlich 30 bis 50 cm lang und haben eine grabende Lebensweise. Sie kommen im Norden- und Osten Kenias vor.

 

Sandboa

 

 

 

Südlicher Felsenpython (Python natalensis) im Meserani Schlangenpark in Arusha. Sie kann bis 5.5 m lang werden und ist durch ihre Färbung in der freien Natur nicht leicht zu entdecken. Die Art ist gefährdet (Cites Anhang II), da sie wegen ihrer Haut oder generell aus Angst getötet werden. Das Weibchen bewacht die Eier und erzeugt durch Muskelzittern Wärme, so dass die Schlüpfchancen verbessert werden.

 

RockPython_klein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit fast 2000 Arten auf dem Planeten ist die Familie der Nattern (Colubridae) die artenreichste. Sie enthält viele harmlose doch auch einige sehr giftige Arten.

GRÜNE BUSCHSCHLANGEN, eine Afrikanische Gattung, sind weit verbreitet und werden oft mit grünen Mambas verwechselt, die jedoch hauptsächlich in Küsten- und tiefliegenden Gebieten vorkommen. Battersby’s Buschschlangen (Philothamnus battersbyi) werden in meinem Garten in Nairobi oft von meinen Katzen attackiert. Sie sind sehr agil, aber nicht aggressiv und harmlos. Manchmal findet man sie am Tage sich auf Zweigen sonnen. Sie lebt gerne in der Nähe von Wasser, wo sie sich von Fischen und Fröschen ernährt. Sie nehmen aber auch Chamäleons und Skinks zu sich.

BattersbyBuschnatter2

 

 

 

Braune Hausschlangen (Lamprophis fuliginosus) sind weit über Afrika verbreitet. Sie kann bis 1.20 lang werden, ist ungiftig, nachtaktiv und ernährt sich von Nagetieren, Vögeln und Amphibien. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Rattenpopulationen und Farmer sollten sie eigentlich schätzen, doch leider können die meisten Leute Schlangen nicht auseinander halten und die eingefleischte Angst lässt sie die harmlosen Schlangen ebenfalls töten. Sie wird von Nichtinteressierten oft als Schwarze Mamba erkannt und getötet, obwohl sie anders aussieht und sich auch anders benimmt.. Wo die Zahl dieser Schlange stark reduziert wurde, können Ratten ganze Ernten vernichten. Dieses Tier fand ich in meinem Haus in Nairobi dank meinen Katzen. Sie machte keinerlei Anstalten zu beissen, würde dies aber tun, wenn sie geärgert wird.

BrauneHausschlange_klein

 

 

 

CROTAPHAPHOPELTIS ist eine Gattung des tropischen Afrikas.

Weisslippenschlangen (Crotaphopeltis hotamboeia) jagen nachts auf dem Boden. Sie verteidigt sich vehement indem sie den Kopf in ein Dreieck verformt und unter lautem Fauchen und Zischen zustösst. Ihr Gift hat auf Menschen keine Auswirkung. Hauptnahrung sind Amphibien.

Weisslippenschlange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Arten in der Unterfamilie der Trugnattern (Boiginae) liegen die Giftzähne weiter hinten am Oberkiefer. Die europäische Ringelnatter gehört hierzu.

Ein Kopf, der einem VW Käfer gleicht (gemäss dem verstorbenen James Ashe, Mitautor von “A field guide to the reptiles of East Africa” und Leiter der Bio-Ken Snake Farm), ein riesiges Auge und Farben von grün (Männchen), braun (Weibchen), oliv, grün-schwarz gesprenkelt bis ganz schwarz charakterisieren die in Afrika weitverbreiteten Boomslang (Dipholidus typus). Boomslang heisst in Afrikaans Baumschlange, was aussagt, wo sie zu finden ist und dort ernährt sie sich von Chamäleons, Vögeln und Nagern. Sie ist sehr agil, scheu und nicht aggressiv. Sie muss stark provoziert werden, was meist durch Schlangenfänger geschieht. Das langsam wirkende Gift kann ohne Gegengift fatale Folgen haben, da es die Blutgerinnung verhindert und innerliches Verbluten verursacht.
Foto Sandra Schänzer, www.saga-photography.de

 

 

 

Boomslang

 

 

 

Striped_Skaapsteeker

OlivSandrennatter

 

 

 

Kenya gestreifter Schafstecher (Psammophylax multisquamis) aus der Familie der Sandrenn-Nattern (Psammophiidae) hat nur ein schwaches Gift, das durch hinten gelegene Giftzähne injiziert wird. Nahrung: Amphibien, kleine Nagetiere, Reptilien. Das Gift verursacht beim Menschen Schwellungen. Der Name Schafstecher kommt aus dem südlichen Afrika (Afrikaans) und deutet darauf hin, dass sie gelegentlich Schafe beissen, was gut möglich ist, denn es ist eine bodenbewohnende, tagaktive Schlange. Diese ist nur ca. 40 cm lang, wobei grosse Männchen in einigen Regionen bis 1.4 m lang werden können.

 

Die Gattung der Sandrenn-Nattern hat den treffenden Namen, denn sie bewegen sich meist mit erhobenem Kopf schnell auf dem Boden durch Gras und Busch. Die meisten Arten haben Längsstreifen. Das Gift verursacht Schwellungen, Übelkeit und Juckreiz. Sie haben eine vielseitige Diät.

Olive Sandrenn-Natter (Psammophis mossambicus) ist eine schnelle Schlange, die sich hauptsächlich auf dem Boden bewegt. Ihr Gift hat auf den Menschen kaum Auswirkungen. Wir fanden das Tier beim Campen in Amboseli und obwohl wir es für ein Foto verfolgten, zeigte es keinerlei Anstalten zu beissen.

 

 

 

 

 

 

Rotbraune Hakennasennatter (Rhamphiophis rostratus) sind muskulöse Schlangen von 60 bis 70 cm Länge. Das Gift hat auf Menschen keine grossen Auswirkungen und sie beissen auch nicht gerne. Sie leben heimlich am Tage in trockenen Gebieten, wo sie in Löchern und Höhlen nach Beute suchen. Die Nahrung besteht aus Nagetieren (auch Mulle), Frösche, Kröten, Schlangen und Insekten. Das Weibchen legt 4 – 12 Eier.

 

 

 

RostbrauneHakennasennatter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kobra

BlackMamba

 

 

 

In die Familie der Giftnattern (Elapidae) gehören gefährliche Schlangen wie Mambas, Kobras und Australische Arten. Alle haben kurze, aufrechte und unbewegliche Giftzähne vorne im Kiefer. Mehr als 200 Arten sind aus den weltweiten Tropen bekannt. Die Mehrzahl der oft lang werdenden Schlangen produzieren ein Nervengift. Gegengift ist notwendig.

Kobras, die in verschiedenen Arten und Unterarten vorkommen, sind nicht so einfach zu unterscheiden, zumal man ja selten nah ran kommt. Hier handelt es sich wahrscheinlich um eine Schwarznacken-Speikobra (Naja nigricollis), die ebenfalls in verschiedenen Farbtönen vorkommt.

 

Die Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis) ist wohl weltbekannt. Ihr Gift ist sehr stark und verursacht schnell Lähmungen der lebenswichtigen Organe, wie Lunge, Herz und Gehirn, was bei genügend injiziertem Gift zu einem raschen Tod führen kann (verhindert die Nachrichtenübertragung an den Nervensynapsen). Es ist eine der wenigen Schlangen, die ihr Territorium verteidigen, was zu unangenehmen Zusammenstössen führen kann. Ich selber habe in über 12 Jahren im Busch noch keine Mamba angetroffen. Von Einheimischen hört man oft, wenn eine Schlange gesichtet ist, ‘Schwarze Mamba” obwohl es irgendeine andere Art ist. Ausgewachsen können sie um die 3 m lang werden und eine Geschwindigkeit von einigen Metern pro Sekunde erreichen. Sie lebt in verschiedenen Habitaten bis 1.600 m.ü.M. Das Weibchen legt 6 – 17 Eier.

Die Schlange selber ist grau-braun und das adjektiv schwarz beschreibt das schwarze Maulinnnere, das sie zur Warnung zeigt. Auch sie kann wie Kobras Rippen abspreizen und einen Hut stellen, was sie grösser erscheinen lässt.

Foto aufgenommen im Meserani Schlangenpark in Arusha.

 

 

 

 

 

 

Der in Afrika bekannteste Vertreter der Familie der Vipern (Viperidae) ist die Puffotter (Bitis arietans). Sie ist ein Hinterhaltsjäger und sehr gut getarnt. Mit ihren nach hinten einklappbaren, 4.5 cm langen Giftzähnen und einem Gift, das Gewebe zerstört, ist sie verantwortlich für die meisten Todesfälle verursacht durch Schlangenbisse. Dennoch bei richtiger Erster Hilfe und Gegengift kann der Biss überlebt werden. Weitverbreitet über Afrika.

 

Puffotter